ABGEFAHREN! Ski-Reporter unterwegs – dieses Mal auf dem Kaunertaler Gletscher: Ein einzigartiger Ski-Tunnel!

ABGEFAHREN!
Die Ski-Reporter von Reise-Stories.de unterwegs im Schnee. Jede Woche wieder! Um aktuell zu schildern, wie es auf den Pisten von ……. gerade aus sieht.  Dieses Mal: So war es auf dem Kaunertaler Gletscher in Tirol!

Zu den No-Gos professioneller Schreiberei zählt die Verknüpfung mit Wettererscheinungen. Weil diese schaffen es, die Zeitung von gestern noch älter aussehen zu lassen. Doch das abgefahrene Format auf reise-stories.de ermöglicht, ja erfordert geradezu, Schneeverhältnisse einfließen zu lassen. Kurzum:

Zuerst geht es beim Autobahnkreuz Oberinntal durch den endlosen Tunnel. Danach ist es grün – und es ändert sich wenig, als nach der Abzweigung in Prutz Kurve um Kurve genommen, bei der Mautstelle der Skipass erworben und schließlich der Gepatschstausee erreicht ist. Da geht der Nieselregen in Schneefall über und exakt auf 2100 Metern beginnt der Winter in seiner schneeweißen Genialität.

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Foto:

Der Kaunertaler Gletscher in Tirol.

Fotocredit & Copyright dieses Fotos:

Kaunertaler Gletscher/Daniel Zangerl

Text:

Fred Fettner

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Natürlich gibt es immer ein paar Verrückte, die ihre SUVs noch die zusätzlichen 650 Höhenmeter bis zum Gletscherparkplatz hinauftreten müssen. Unsereins beobachtet dies schon gelassen aus einem der Komfortsessel, die an den beiden Sektionen der Ochsenalmbahn baumeln. Die blauen Umfahrungen der Schlussabfahrt sind noch nicht alle hergerichtet, aber man kann schon von oben erkennen, dass die „Rote“ eine intelligente Lösung war. Ein Eindruck, der sich bei den ersten Schwüngen ins Tal bestätigt.

Selbst wenn zu diesem Zeitpunkt kaum andere Regionen in Betrieb sind, Gedränge herrscht höchstens auf den Bereichen des Gletschers, wo die Mannschaften trainieren. Es sind an diesem Tag noch immer 40 Teams unterwegs, an Spitzentagen steigt dieser Wert auf 70 Mannschaften. Sonst kreuzt an diesem bedeckten Wochentag kaum einer die breiten Carvingpisten. Auch wenige Boarder sind unterwegs, ganz anders als Anfang Oktober, zu dem Boarder und New-School-Freaks aus halb Europa anreisen. Ebenso wie für das Finale, bei dem im Frühling die Saison am Kaunertaler Gletscher mit den Spring Classics kaum weniger fulminant ausklingt.

Wenn das Wetter in dieser Höhenlage mitspielt, dann bietet der Snowpark den ganzen Winter das perfekte Umfeld für trickreiche Boarder. Links vom Weißseefernerlift wird die wettkampftaugliche 120-Meter-Halfpipe hergerichtet, wobei sich während des Hochwinters aufgrund geringer Nachfrage das Funpark-Engagement mehr auf das weniger zugige Skigebiet Fendels (geplante Eröffnung 19.12.) konzentriert.

Ich ignoriere aber Jumps und Kippstangen, die volle Konzentration gilt der für diesen Winter neu geschaffenen Piste Nummer 6. Für die neue „Schwarze“ musste kein neuer Lift errichtet werden, doch ohne Bauarbeiten ging es nicht ab. Also hinauf geht es vom Gletscherparkplatz mit den in dieser Höhenlage besonders erfreulichen Gondeln der Karlesjochbahn direkt an die italienische Grenze. Gleich zu Beginn erfreut gefälliges Gefälle und in diesen Dreitausernderregionen zu erwartender ausgezeichneter Schnee. Das erste Mal verfehle ich die passende Abzweigung, denn rechts bleibt es rot markiert, während die Abzweigung mittig aber blau (Piste 5), am linken Rand jedoch schwarz (6) markiert ist. Das kann schon irritieren.

Doch beim zweiten Versuch klappt es bestens und nach wenigen Metern ist das schwarze Loch ohnehin nicht zu übersehen. Der extra geschaffene, 140m lange und notgedrungen beleuchtete Wiesejaggl-Skitunnel sucht seinesgleichen. Auch weil er mit zehn Prozent Gefälle im Tunnel der steilste seiner Art ist. Am harten Untergrund geht es rasant Richtung Tunnelausgang, wo sich – bei entsprechender Schneelage – für Freaks gleich rechts ein ordentlicher Kicker abzeichnet.

Für Freerider gibt es nach dem Tunnel schöne Tiefschneehänge, während Pistenjünger die in diesem Bereich wirklich schwarze Abfahrt genießen. Schließlich folgt die mit 12 Metern besonders breite Skibrücke über die Gletscherstraße, ehe die Piste Nummer 6 zur Ochsenalm an Gemütlichkeit gewinnt. Man kann zur Talstation von Ochsenalm II fahren oder gleich bis zur untersten Liftstation, um so die für ein Gletscherskigebiet ungewöhnlichen 1000 Höhenmeter am Stück zu genießen. Die Gesamtlänge der Abfahrt beträgt 2,2 Kilometer.

Im Großen und Ganzen geht’s auf den eher leichten Pisten gletschermäßig beschaulich zu. Alternativ zur neuen Piste erfreut die ebenfalls durchaus anspruchsvolle Piste Nr. 5. Wenn es die allgemeinen Witterungs– und persönlichen Fahrverhältnisse erlauben, fährt man aber doch ein Stück weiter in eine der beiden Weißseejoch-Varianten ein. Gemeinsam mit dem österreichischen Alpenverein wurde im Rahmen von „Risk´n´fun“, dem Ausbildungsprogramm der österreichischen Alpenvereinsjugend, ein Leitsystem für Variantenfahrer entwickelt. Infotafeln im Bereich der Weißseejoch-Varianten sollen zusätzlich zu einem kritischen Hinterfragen der jeweiligen Fahrsituation animieren. Startpunkt ist auch dafür die auf 3.108 Meter führende Karlesjochbahn. Zuerst noch der Blick von der Aussichtsplattform nach Italien und in die Schweiz.

Der Kaunertaler Gletscher ist unbestritten ein Secret Spot für Freerider. Weite Hänge, unendlich viel Powder und nach Schneefällen doch einige Zeit unverspurte Lines erfreuen die Powderjunkies. Weil das Gletscherskigebiet nicht überlaufen ist, sind die Tiefschneehänge auch nicht gleich komplett zerfahren. Mehr als 3000 Skifahrer und Snowboarder sind auch an Wochenenden nicht am Kaunertaler Gletscher. Zu Nikolo 2014 waren es keine 500! Einige davon waren rasant auf Monoski unterwegs, denn  eine besondere Qualität des Skigebiets ist das international ausgezeichnete Angebot für „barrierefreien Aktivurlaub“.

Gastronomisch gehört das großzügige SB-Gletscherrestaurant ebenso zur Liftgesellschaft, wie die Ochsenalm, der meist der letzte Einkehrschwung gehört. Das etwas darunter gelegene Gepatschhaus öffnet in der Regel erst mit der Osterwoche wieder. Wird es durch Wind, Nebel und Schneefall zu eisig im Ewigen Eis, kann am Taleingang ab Prutz-Ried die Fendels-Bahn gewählt werden. Die Karten gelten für beide Skigebiete und rund um das Dorf Fendels gruppieren sich fünf Lifte. Immerhin bis auf 2.300 Meter reicht diese Alternative , die vor allem breit gewalzten Gleitpisten bietet.

Fred Fettner (Herausgeber Ski Guide Austria)

Facts:

32,5 km Pisten (15 Lifte) von 2.150 bis 3.108 Meter Seehöhe, davon blau 20,9 km / rot 7,8 km / schwarz 3,8 km (Kaunertaler Gletscher + Fendels).

Tageskarte (HS/Erw/Kd) Euro 41,-/25,-, 6-Tage-Pass (HS/Erw/Kd.) Euro 183,-/110,-, Bambinifreipass: Kinder (bis Jhg. 2005), 80plus gratis.

Keine Straßenmaut bei gültigem Skipass. 2 Funparks, einer auf 2.990 m, Freeridekonzept „Check your line“ mit Informationstafeln.

„Schlechwetterskigebiet“ Fendels (ca. 1.300 bis 2.000 m)  mit Nachtskilauf und Rodeln.

Infos:

Spezielle Ski-Packages via www.tirolergletscher.com

Skigebiet: www.kaunertaler-gletscher.at , www.austriaskiguide.com

Region und Land: www.kaunertal.com, www.tirol.at , www.Austria.info

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