Schon die Fahrt nach Zauchensee versprüht einen Hauch von “winterlichem Lands End“. Wenn im Tal Schnee Mangelware ist, erreicht in der Weltcup-Arena von Zauchensee das Genuss-Skifahren seinen Höhepunkt. Ob Wiedereinsteiger & Racer, Kids & Families, Carver & Boarder, Silver-Cruiser oder urige Hütten-Chiller – jeder kommt auf seine Kosten … einfach weltmeisterlich! (selbst ein Weltmeister).

geschrieben von Birgit Werner & Andreas Bienert                 mit Fotos von Andreas Bienert

Altenmarkt-Zauchensee im Pongau ist das höchstgelegene Skigebiet in der Salzburger Sportwelt/Ski amadé. Das garantiert Schnee satt. Es gibt für mich also nur ein Ziel: die Piste. Von den 760 km sind hier immerhin 65 km zu befahren. Um als „(wirklich) alter Snowboarder“ den Wiedereinstieg auf Carving-Ski locker zu testen, nutze ich die verlockende Chance, das Cruisen beim Abfahrts-Weltmeister Michi Walchhofer abzugucken. Der mehrfache Weltcup-Sieger und Olympiamedaillen-Gewinner fährt inzwischen nur noch aus „Spaß an der Freud“. Heute macht er eine Ausnahme und nimmt mich mit auf einen Skiritt durch „sein Zauchensee“. Oder, wie ich es beschreiben würde, zum Skivergnügen mit einem Weltmeister.

Michis Zauchensee

was bedeutet das für dich, frage ich ihn.

„Skifahren mit dem Weltmeister“ kann man als Übernachtungsgast in Walchhofers Hotel Zauchensee Zentral buchen. Sein Bruder Peter leitet die Skischule neben dem Walchhofer Hotel.

Ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Die Antwort soll ich selbst auf und neben den Pisten von Zauchensee „erfahren“. Wichtigste Regel dabei: locker bleiben und Spaß haben. Damit ich mit Michi zumindest material- und genusstechnisch auf Augenhöhe bin, teste ich den brandneuen Savor-Ski von Atomic. In Altenmarkt-Zauchensee fährt quasi jeder Einheimische Atomic, denn die werden unten in Altenmarkt getüfelt und gebaut.

1-A Pistenverhältnisse

Reichlich Pulverschnee am frühen Morgen, der sich im Laufe des Vormittags in butterweichen Firn verwandelt, sorgt für pures Skivergnügen. Ich stoße mich ab und wage die ersten Carver-Schwünge. Adrenalin schießt in meinen Körper und bringt den Puls auf 180. Der Ski dreht extrem leicht. Gefühlt geht alles viel bequemer als vor 25 Jahren. Ich bin überrascht. Eines ist klar, ich habe hier das Kommando und nicht der Ski. Die anfängliche Verkrampfung löst sich schnell – wie damals (!) und weicht meinem ehemals sportlichen Anspruch und Fahrstil. Technisch gesehen, läufts also mehr als rund.
Während einer Werksbesichtigung erklärt mir Helmut Holzer, Leiter Forschung und Entwicklung von Atomic später, dass das Geheimnis der Drehfreudigkeit der neue Triple Sidecut sei. Das bedeutet mehr Sidecut in der Mitte des Skis und einen geraden Verlauf an Skispitze – und –ende. Wiedereinsteiger und Genussskifahrer dürfte das besonders freuen. Außerdem soll der leichte Graphitkern für mehr Ski Stabilität und kraftsparendes Skifahren sorgen.

Träumst du noch oder willst g’scheit Skifahren?

Mit Michi an meiner Seite genieße ich den grandiosen Vormittag auf den breiten und perfekt präparierten blauen und roten Pisten am Roßkopf und Gamskogel. Alles ist entspannt. Bei 12° Plus und stahblauem Himmel strahlen der Olympiasieger und ich mit der Sonne um die Wette. Bis zu dem Moment, als Michi wie aus dem Nichts ankündigt: „So, jetzt fahr’n wir mal die schwarze 10“…
Auf diese weltmeisterliche Ansage bleibt mir nur ein sportliches Nicken, denn wer die wahre  Herausforderung sucht, wird auf den schwarzen Abfahrten und einigen anspruchsvollen roten Steilstücken fündig. Zuerst müssen wir rauf auf den Berg. Mit fünf Metern pro Sekunde befödert uns die Tauernkarbahn höchstgeschwind auf 1.890 Meter.

Nervenkitzel auf der 10

Unterhalb der Bahn startet sie, die 10, oder auch die längste schwarze Abfahrt des Skigebietes. Michi „wedelt vor“. Das meint der Weltmeister also mit „g’scheit Skifahren“ und zischt auf dem mittlerweile schweren Schnee mit seinen grünen „Race-Atomics“ so rasant davon, dass nur sein Kondensstreifen bleibt …


Der Weltcuport Zauchensee (1.350 m) mit der Skischaukel Zauchensee-Flachauwinkl ist der schneesicherste Ort der Salzburger Sportwelt.

Weltklasse: Zu jeder steilen Abfahrt gibt es auch eine blaue Alternative. Sogar die legendäre Weltcupabfahrt läßt sich bezwingen. Sie ist rot gekennzeichnet. Sowohl Anfänger können die drei Berge – Gamskogel, Rosskopf und Tauernkar, die den Talkesssel Zauchensee umgeben, problemlos hinabsausen. Alle Pisten führen immer ins gleiche Tal. Freunde oder Kids auf der Piste wieder treffen, ist damit kinderleicht und auch für Skikarten-Hasser und Orientierungsverweigerer kein Problem.

Beim Versuch, auf der 1,5 km lange Piste dran zu bleiben, stossen wir, zuerst ich und dann meine Einsteiger-Ski an ihre Grenzen (in dieser Reihenfolge). Denn die 10 entpuppt sich in den Schattenteilstücken als sehr eisig, steil und wirklich schwarz. Immerhin stürzt sich die Piste von 1.900 Metern Höhe hinunter in die Arena auf 1.350 Höhenmeter. Dafür ist sie schön breit und perfekt für gute Snowboarder. Ein bißchen Wehmut kommt auf, dass ich jetzt nicht auf dem geliebten Board stehe. Die Könner schießen nur so an uns vorbei. Sollen sie. Jeder, wie er kann. Ich fahre mein Tempo und stelle fest, die schwarze 10 ist ziemlich leer, aber fahrbar, wenn auch mit höchster Konzentration. Am nächsten Tag werde ich auf die grünen Racer von Michi umsteigen, beschließe ich – aber nur wegen der besseren Kurvenlage.

Das ist also „Michis Zauchensee“. Aufeinanderfolgende Glücksgefühle sind aber nur ein Teil der Antwort auf meine Frage, die ich ihm bei unserer ersten Begegnung gestellt habe. Der zweite Teil folgt sogleich.

Nach einer letzten Fahrt vor majestätischen Bergen und horizontweise Gletscherblau genieße ich bei glasklarer Luft und Sonne pur das schnell erlernte Easy Snowing. Mit weit offener Jacke schwebe ich lässig in eine der urigen Hütten in Zauchensee ein. Denn Genuss hört hier nicht auf der Piste auf.

Genuss-Skipause im Adlerhorst und Burgstallhütte

Es ist gar nicht so einfach, sich bei der großen Auswahl für die richtige Hütte zu entscheiden. Am Fuße des Rosskopfes in Zauchensee kehren wir ein im Adlerhorst. Hier auf 1.700 Metern Höhe zischen das erste Bier und der Almdudler ganz besonders. Als uns dann noch der herzliche Service die Spare-Rips aufs Wärmste anpreist, schwelgen wir kaiserlich. Das zarte Fleisch mit Ofenkartoffel und Maiskolben ist wirklich sehr lecker, nicht zu fett und keinesweg zugedresst mit einer 0815-BBQ-Sauce. Was mir sofort auffällt: Hier wird nicht nur auf schnellen Service mit Herz und Seele Wert gelegt, sondern vor allem auf die Frische und Herkunft der verwendeten Produkte – inklusive feschem Outfit.

Hier sitzt man auf einer prachtvollen Sonnenterrasse – unfassbare Kulisse und ein Teller voller Schmankerl aus der österreichischen Küche.

Von der Skipiste direkt in die Lobby

Auf dem Weg in unser Hotel schwingen wir noch kurz auf ein paar zünftige regionale Absacker in die Garnhofhütte ab. Die ist übrigens auch nur einen Steinwurf von unserem Hotel entfernt, wie alle Bars, Restaurants, Sportgeschäfte und Shops in Zauchensee. Zum Aufmöbeln von Geist und Körper gehts dann endlich in unsere Herberge, das Hotel Sportalm. Dass von dort fast alles fußläufig zu erreichen ist, ist durchaus ein beachtenswerter „ökologischer“ Ansatz. Der Luxus, das Auto bei Ankunft im Winterurlaub einfach einzuparken und stehenzulassen, ist im Skizirkus nicht allgegenwärtig.


Sehr gemütlich ist es hier und mit viel Geschmack eingerichtet. Das mag wohl auch daran liegen, dass der gelernte Hotelwirt schon seit 38 Jahren höchstpersönlich auf einen sehr privaten Service achtet und immer mitten drin ist, statt nur dabei.

Direktor Roland Dolschek und sein Team machen in dem reinen 4* Ski-Hotel in entspanntem Retro-Style ihrer Philosophie „So individuell wie Sie“ alle Ehre. Um wieder fit zu sein für das Nachmittagsprogramm, den Altenmarkter Feinschmecker Markt, der heuer das erste Mal stattfindet, tanke ich in der kleinen feinen Sauna die Akkus schnell wieder auf. 

‚Genuss.Zeit in die Berg‘
Altenmarkt – für Feinschmecker und Romantiker

Ich bin unterwegs mit Tourismus-Chefin Claudia Zortea, die mir erklärt, was sich hinter dem neuen Konzept ‚Genuss.Zeit in die Berg‘ verbirgt. „Zu einem gelungenen Winterurlaub gehören neben aufregenden Pistentagen auch authentische Genusserlebnisse, denn die runden den Tag erst so richtig ab“, betont sie. „Deshalb bieten wir immer im März mit der ‚Genuss.Zeit in di Berg‘ drei Wochen lang ein kulinarisches und Shopping Begleitprogramm. Ansprechen wollen wir alle diejenigen, die auf der Suche nach Entspannung und Neuem sind.“ Brettlfans treffen sich zum Beispiel in den Skihütten zum „Höchsten Bauernmarkt der Alpen“, um heimische Erzeugnisse wie Käse- und Wurstspezialitäten, Kräutersalben und -liköre zu probieren.

Nach drei spannenden Skitagen hatte ich alle Antworten auf meine Frage an Michi, warum es ihn, wie auch viele andere Stammgäste schon seit über 50 Jahren immer wieder in ’sein Zauchensee‘ zieht … auch ich verlasse Zauchensee nach meiner „Genusserfahrung“ bei einem letzten Kaffee auf der Hotelterasse ziemlich entspannt mit vielen, wunderschönen Bildern und Genuss-Momenten im Kopf. Wohlwissend, nächstes Jahr zum Treffpunkt Weltcup-Arena zurückzukommen.


Check in
Hotel Sportalm 4*, Zauchensee 23, A-5541 Altenmarkt-Zauchensee
Tel. +43 (0)64 52 40 06, www.sportalm.com

Die drei Hotels des Weltmeisters Michi Walchhofer in Altenmarkt-Zauchensee
www.walchhofer.at

Check it out
Altenmarkt Zauchensee,
Altenmarkt liegt auf 842 m und Zauchensee auf 1.350 m
Altenmarkt-Zauchensee Tourismus, Sportplatzstr. 6, A-5541 Altenmarkt-Zauchensee
Tel +43 (0) 64 52 55 11, www.altenmarkt-zauchensee.at, www.zauchensee.at

Einkehren
Burgstallhütte
,  A-5542 Flachau
Tel. +43 (0)64 57 29 50, www.burgstallhuette.com

Adlerhorst, Rosskopf 10, A-5541 Altenmarkt
Tel. +43 (0)664 211 66 32, www.adlerhorst-zauchensee.com

Garnhofhütte, Zauchensee 23, A-5541 Altenmarkt im Pongau, Sommer und Winter geöffnet
Tel.: +43 (0) 66 47 50 90 04 0, www.garnhofhuette.at

Ausprobieren
Skischule Walchhofer
, Zauchensee-Strims 1, A-5541 Altenmarkt-Zauchensee
Tel. +43 (0) 64 52 40 16, www.top-alpin.at

Ski- und Radverleih bei Intersport Schneider, Wagnergasse 4, 5541 Altenmarkt,
Tel.: +43 (0) 64 52 54 79, www.intersport-schneider.at

Genießen

Genuss.Zeit in di Berg 2020 gibts wieder vom 14. bis 21. März

Restaurant „hermann & tina´s restaurant“
, 5541 Altenmarkt, Zauchenseestraße 89, Tel. +43 809 664 13 18 389
Sehr köstlich – die Mischung aus erlesenen österreichischen Schmankerl und original koreanischen Spezialitäten
www.hermannundtinas.restaurant

Restaurant s’Kessei, A-5541 Altenmarkt, Lackengasse 1, Tel: +43 (0) 64 52 52 32
www.kesselgrub.at

 

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